{"id":14,"date":"2013-12-11T15:38:04","date_gmt":"2013-12-11T13:38:04","guid":{"rendered":"https:\/\/evol-forum.ch\/giza\/der-sphinx\/"},"modified":"2018-07-27T16:55:42","modified_gmt":"2018-07-27T14:55:42","slug":"sphinx","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/evol-forum.ch\/giza\/sphinx\/","title":{"rendered":"Sphinx"},"content":{"rendered":"<h1>Der Sphinx und seine Bedeutung<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich befand sich auf der Ostseite des Giza-Plateaus eine 10 m hohe Felsklippe, woraus eine riesige L\u00f6wengestalt mit Menschenkopf gehauen wurde: der Sphinx. Er ist insgesamt 63 m lang, wobei allein die Vorderpfoten 15 m messen. Der R\u00fccken ist 12,5 und der Kopf 20 m hoch. Der Kopf selbst ist 6 m hoch und das Gesicht 4 m breit. Um den Sphinx zu formen, wurde eine 7,6 m tiefe und 5,5 m breite Furche aus dem Felsen geschnitten.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nach der Entdeckung des Sphinx- und des Tal-Tempels (siehe Seite 70) stellte sich heraus, dass die Kalksteinbl\u00f6cke dieser Anlagen sowie des Totentempels vor der mittleren Pyramide aus diesem Sphinx-Graben stammen.<\/p>\n<p>Die Zuordnung an Chephren als Erbauer erfolgt durch die angeblichen Beweise der Sitzstatue aus Diorit, die im Tal-Tempel gefunden wurde, sowie auf einer Inschrift auf der Traumstele, die vor dem Sphinx steht und von Thutmosis IV stammt, der mehr als tausend Jahre nach Chephren lebte und den Sphinx freilegte. Darauf wird die Silbe Che erw\u00e4hnt, woraus \u00c4gyptologen den Bezug zum Namen Chephren ableiten. Der angesehene \u00c4gyptologie-Professor C. Gaston Masp\u00e9ro erw\u00e4hnte dazu im Jahr 1900:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em>\u201eDie Stele der Sphinx tr\u00e4gt in Zeile 13 den Namen Chefre, in der Mitte einer L\u00fccke. [&#8230;] Es gibt meiner Ansicht nach den Hinweis, dass die Sphinx unter diesem Herrscher freigelegt und restauriert wurde und folglich den mehr oder weniger sicheren Beweis, dass sie bereits zu Zeiten seiner Vorfahren im Sand versch\u00fcttet war.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p>Professor James Henry Breasted, der die Stele 1905 untersuchte, hielt fest:<span class=\"Apple-converted-space\"><br \/>\n<\/span>\u201eDie Erw\u00e4hnung von Pharao Chephren ist als Hinweis verstanden worden, dass die Sphinx das Werk dieses K\u00f6nigs war \u2013 ein Schluss, der nicht triftig ist.\u201c<\/p>\n<p>Als weiteren Beweis f\u00fcr die Bauherrschaft von Chephren brachten Dr. Zahi Hawass und Prof. Mark Lehner Anfang der Neunzigerjahre die Behauptung ins Spiel, dass das Gesicht des Sphinx dem von Chephren entspreche (Magazin \u201eNational Geographic\u201c, April 1991: \u201eComputer rebuilds the Ancient Sphinx\u201c).<\/p>\n<p>Es braucht allerdings viel Fantasie, um eine \u00c4hnlichkeit zwischen dem Antlitz der Diorit-Statue des Chephren, das europ\u00e4isch anmutet, und dem Sphinx-Gesicht feststellen zu wollen, das besonders im Profil afrikanische Z\u00fcge aufweist. Zu diesem Schluss kam auch der Polizeileutnant Frank Domingo, der im Auftrag der Edgar-Cayce-Stiftung im Oktober 1991 nach \u00c4gypten reiste, um das Gesicht des Sphinx und die Chephren-Statuen zu vergleichen. Der Gesichtsexperte, der f\u00fcr die New Yorker Polizei mehr als 20 Jahre lang Phantombilder erstellte und f\u00fcr die Gerichtsmedizin Gesichter von verst\u00fcmmelten Opfern rekonstruierte, hielt in seinem Abschlussbericht fest:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201eDas Ergebnis der Untersuchungen ist eindeutig: Bei der Sphinx und der Chephren-Statue handelt es sich um zwei v\u00f6llig verschiedene Individuen, die von unterschiedlichen Rassen stammen.\u201c<\/p>\n<p>Anfang 2016 f\u00fchrten M\u00fcnchner Rechtsmediziner den neusten Vergleich durch, mit dem Fazit, die morphologischen Gesichtsmerkmale stimmten nur gering mit Chephren, und nicht mit Cheops \u00fcberein.<br \/>\nWahrscheinlicher ist der heutige Sphinx-Kopf nicht der urspr\u00fcngliche, denn er ist im Verh\u00e4ltnis zum K\u00f6rper viel zu klein. Die anderen Giza-Bauwerke zeugen von einem ausgepr\u00e4gten Sinn f\u00fcr Proportionen und auch bei den sp\u00e4teren Sphinxen aus der Pharaonenzeit stimmt der L\u00f6wen-, Widder- oder Menschenkopf mit der K\u00f6rpergr\u00f6sse \u00fcberein. Deshalb kann man davon ausgehen, dass beim Sphinx vor den Giza-Pyramiden nach der grossen Regenzeit die verwitterte Oberfl\u00e4che des urspr\u00fcnglichen Kopfes abgetragen und aus dem unversehrten Felskopf ein neuer gemeisselt wurde, mit schmalem Bart, Nemes-Kopftuch und Ur\u00e4usschlange an der Stirn. Die drei typisch \u00e4gyptischen K\u00f6nigsattribute deuten zwar darauf hin, dass ein Pharao den Sphinx-Kopf neu gestalten liess. Doch es k\u00f6nnte auch sein, dass diese alt\u00e4gyptischen Insignien damit zusammenh\u00e4ngen, dass sich die Pharaonen der 1. Dynas-tie am Sphinx-Kopf orientierten. Der abgebrochene Bart wie auch die abgebrochene Nase befinden sich heute im Britischen Museum in London. Wer den Sphinx-Kopf zerst\u00f6rt hat, ist nicht restlos gekl\u00e4rt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Am wahrscheinlichsten der drei Theorien ist die \u00e4gyptologische, basierend auf dem arabischen Historiker al-Makrizi (siehe Seite 169). Demzufolge hat der strenggl\u00e4ubige Scheich eines Sufi-Klosters, Mohammed Saim el-Dar, die Nase des Sphinx 1378 abgeschlagen und wurde von der aufgebrachten Menge umgebracht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Die Theorie einer fehlgeleiteten Kanonenkugel der Mameluken, bei der Verteidung gegen Napoleons Invasion 1798, konnte nie bewiesen werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Am unwahrscheinlichsten ist die meist zitierte These, durch Kanonen-Ziel\u00fcbungen des franz\u00f6sischen Streitheers. Dies war jedoch mit Napoleons Verehrung f\u00fcr das pharaonische Reich nicht vereinbar, denn er selbst verk\u00fcndete:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>\u201e\u00c4gypten ist die Wiege der Wissenschaften und K\u00fcnste der gesamten Menschheit.\u201c Seine Forscher und Wissenschaflter hinterliessen uns die genauesten Dokumentationen der Orte und Bauten in der \u201eDescription de l\u2019Egypte\u201c, und auf diesen Bildern fehlte die Nase bereits.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Kontroverse um das Alter des Sphinx<\/h2>\n<p>Der K\u00f6rper des Sphinx ist stark verwittert und wurde in den vergangenen Jahrtausenden mehrfach restauriert. Als Erschaffer der faszinierenden Skulptur gilt offiziell immer noch Pharao Chephren, der Sohn von Cheops. Die Erosion wird von der \u00c4gyptologie dem Wind zugeschrieben, obwohl der Sphinx in einer Grube steht und in den vergangenen 4\u2018500 Jahren seit Chephren meist von Sand bedeckt war. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot, der \u00c4gypten im 5. Jahrhundert v. Chr. bereiste, berichtet zwar von allen 3 Giza-Pyramiden, erw\u00e4hnt jedoch den Sphinx mit keiner Silbe, was darauf schliessen l\u00e4sst, dass er damals vollst\u00e4ndig unter dem Sand verborgen lag.<\/p>\n<p>Sollte tats\u00e4chlich der W\u00fcstenwind die Erosion verursacht haben, m\u00fcssten die Sandsteinbauwerke aus der 4. Dynastie mindestens den gleichen Verwitterungszustand wie der Sphinx aufweisen, was nicht der Fall ist. Die vertikalen, 0,9 bis 1,8 m tiefen Furchen in der Grubenwand deuten vielmehr auf Wasserl\u00e4ufe hin, die von heftigen und zahlreichen Regeng\u00fcssen stammten, wie sie \u00c4gypten vor \u00fcber 10\u2018000 Jahren erlebte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als erstem fielen die Wassererosionsspuren beim Sphinx dem franz\u00f6sischen Mathematiker und Symbolforscher R. A. Schwaller de Lubicz auf, der in den Vierzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts zu Studienzwecken in \u00c4gypten weilte. In seinem Buch \u201eRoi de la Th\u00e9ocratie Pharaonique\u201c (in englischer \u00dcbersetzung:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u201eSacred Science \u2013 The King of Pharaonic Theocracy\u201c) hielt er fest:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><em>\u201eBevor \u00c4gypten im 11. Jahrtausend v. Chr. von Unwetterkatastrophen heimgesucht wurde, muss dort eine hochentwickelte Kultur existiert haben. Wir vermuten, dass die Sphinx damals bereits existierte, denn ihr L\u00f6wenk\u00f6rper weist eindeutig Spuren von Wassererosion auf.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p>Er und seine Tochter Lucy de Lubicz hatten ein tiefes Verst\u00e4ndnis der geometrischen Formen und der \u00e4gyptischen Kultur, die sie in vielen Publikationen dokumentierten. Bei seiner Betrachtung des Sphinx entwickelte Schwaller de Lubicz ein besonderes Interesse an der Frage, wie die immense Abnutzung an seiner Oberfl\u00e4che zustande gekommen sei. Und an der R\u00fcckwand des Sphinx fanden sich Erosionen, die 3,60 m tiefe Einschnitte in ihre Oberfl\u00e4che verursacht haben, und dieses Erosionsmuster ist ein v\u00f6llig anderes als das an anderen \u00e4gyptischen Bauwerken. Die Erosionsmuster der anderen angeblich zur gleichen Zeit errichteten Bauwerke wurden von ihrer Oberfl\u00e4chenstruktur her durch Sand und Wind abgetragen, was schl\u00fcssig ist, wenn man davon ausgeht, dass die Geb\u00e4ude \u2013 so wie angenommen \u2013 rund 4\u2018000 Jahre alt sind. Entsprechend dem g\u00e4ngigen Denken wurden der Sphinx, die \u201eCheops\u201c-Pyramide und weiter zusammenh\u00e4ngende Bauwerke vor etwa 4\u2018500 Jahren in der 4. Dynastie unter Cheops begonnen.<\/p>\n<p>Die Erosionsspuren am Sphinx sehen jedoch aus, als seien sie von Wasser ausgesp\u00fclt worden (siehe Abb. 2.7 und 2.8),<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Altersbestimmungen von Mr. West und Dr. Schoch<\/h2>\n<p>30 Jahre sp\u00e4ter befasste sich der amerikanische \u00c4gyptenforscher John Anthony West in seinem 1979 ver\u00f6ffentlichten Buch \u201eSerpent in the Sky\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>ausf\u00fchrlich mit der Beobachtung des Franzosen. Weil die offizielle \u00c4gyptologie Wassererosion kategorisch ausschloss, wandte sich West 1989 an den Geologie-Professor Robert Schoch von der Universit\u00e4t Boston, einen ausgewiesenen Spezialisten f\u00fcr Verwitterungsprofile. Trotz grossen Zweifeln an der Wassererosions-hypothese reiste Schoch, der davon ausgegangenen war, dass das Alter des Sphinx bereits hieb- und stichfest bestimmt worden sei, im Jahr darauf mit West erstmals nach \u00c4gypten.<br \/>\nObwohl sie den Sphinx nur von der Besucherplattform aus betrachten konnten, wurde dem Geologie-Professor gleich klar, dass die Skulptur Wassererosionsspuren aufweist. Um ein wissenschaftlich fundiertes Gutachten zu erstellen, musste das Gestein jedoch untersucht werden, wof\u00fcr die \u00e4gyptische Antikenverwaltung auf Empfehlung der Universit\u00e4t Boston eine Genehmigung erteilte. John West stellte ein hochkar\u00e4tiges Team zusammen, dem ausser Professor Schoch auch der Geophysiker Dr. Thomas L. Dobecki aus Houston, zwei weitere Geologen, ein Architekt, ein Fotograf und der Filmemacher Boris Said angeh\u00f6rten. Die 1992 mit wissenschaftlicher Sorgfalt durchgef\u00fchrte Analyse der Kalksteinstruktur des Sphinx und der Umgebung best\u00e4tigte, dass die Verwitterungsspuren von Niederschl\u00e4gen herr\u00fchren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Anmerkung:<br \/>\nDr. Dobecki, der vor Ort auch seismographische Untersuchungen vornahm, um die Verwitterungsspuren im Untergrund zu erfassen, entdeckte damit auf dieser Expedition sozusagen nebenbei eine Abnormit\u00e4t, die auf einen Hohlraum unter dem Sphinx hindeutete, der etwa 9 m breit, 12 m lang und 5 m hoch ist.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als das Team 1992 an der Jahresversammlung der Geological Society of America die Ergebnisse pr\u00e4sentierte, waren viele Geologen angesichts des Beweismaterials v\u00f6llig erstaunt, dass die Wassererosion am Sphinx durch Niederschl\u00e4ge erst nach zwei Jahrhunderten Giza-Forschung festgestellt wurde. Man hat es betrachtet und gepr\u00fcft, dar\u00fcber nachgedacht und debattiert, und am Ende kamen die Wissenschaftler zu der \u00dcberzeugung, dass diese so zutrifft.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dazu haben geologische Computerberechnungen ergeben, dass es \u00fcber 1\u2018000 Jahre lang ununterbrochen geregnet haben m\u00fcsste, um solche Erosionen hervorzurufen. Ausgehend davon muss der Sphinx mindestens 8\u2018000 Jahre alt sein. Da es aber unwahrscheinlich ist, dass es 1\u2018000 Jahre lang ununterbrochen gegossen hat, gingen die Sch\u00e4tzungen dahin, dass er mindestens 10\u2018000\u201315\u2018000 Jahre alt sein m\u00fcsste, vielleicht sogar noch \u00e4lter.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Dadurch hat sich also das Alter des Sphinx von 4\u2018500 Jahren (\u00c4gyptologie) auf mindestens 7\u2018000\u20139\u2018000 Jahre erh\u00f6ht (Dr. Schochs konservative Einsch\u00e4tzung). Wissenschaftlich auf 10\u2018000\u201315\u2018000 Jahre (geologische Untersuchungen) oder noch \u00e4lter (J. A. West mit gesch\u00e4tzten 15\u2018000\u201318\u2018000 Jahre), und dies ver\u00e4ndert die gesamte Weltsicht, vor allem die der Geschichte und der Arch\u00e4ologie.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font: normal normal normal 12px\/normal Helvetica; margin: 0px;\"><span style=\"letter-spacing: 0px;\"><span style=\"font-size: x-small;\">Dies ist ein Auszug aus dem Buch\u00a0<a href=\"https:\/\/evol-forum.ch\/buecher-und-ebooks\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GIZA VERM\u00c4CHTNIS<\/a>.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sphinx und seine Bedeutung &nbsp; Urspr\u00fcnglich befand sich auf der Ostseite des Giza-Plateaus eine 10 m hohe Felsklippe, woraus eine riesige L\u00f6wengestalt mit Menschenkopf gehauen wurde: der Sphinx. 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